Die Reformierung von Sexualleben und Sexualmoral stellte ein wichtiges Thema zahlreicher Organisationen der Zwischenkriegszeit dar. Ziel dieser Gruppen war die Anpassung des Sexualstrafrechts, die Überwindung der „überkommenen“ Moralvorstellungen und ein gesundes sowie hygienisches Sexualleben. Aus der Vereinigung vieler dieser Vereine ging 1928 die Weltliga für Sexualreform hervor. Diese Vereinigung veranstaltete mehrere wissenschaftliche Kongresse über Sexualreform, deren vierter unter dem Motto „Sexualnot und Sexualreform“ von 16. bis 23. September 1930 in Wien stattfand. Mit über 2.000 Teilnehmenden war dieser Kongress der mit Abstand größte. Das Programm umfasste etwa 80 theoretische Vorträge und Berichte aus der Beratungspraxis sowie einen Ausstellungsteil. Die Wahrnehmung des Kongresses in der österreichischen Öffentlichkeit hätte kaum zwiespältiger ausfallen können. Während zahlreiche sozialdemokratische Politiker*innen – allen voran Adelheid Popp, eine der ersten weiblichen Parlamentsabgeordneten, als Befürworterin der Abtreibungsfreigabe – aktiv teilnahmen, verunglimpfte die konservative Presse die Konferenzinhalte als „Moralbolschewismus“.
Artikel über den Kongress für Sexualreform in der christlich-konservativen Zeitung "Die Reichspost", 24.9.1930, S. 6 (ÖNB, ANNO)
Artikel über den Kongress für Sexualreform aus "Die Frau. Sozialdemokratische Monatsschrift für Politik, Wirtschaft, Frauenfragen, Literatur", November 1930, 11. Jahrgang, S. 8-9 (ÖNB, ANNO)
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![Am Plakat unter andrem noch "anläßlich der Tagung des IV. Kongresses der Weltliga für Sexualreform über das Thema Sexuelles Massenelend und Sozialistische Sexualreform". Es sprechen Prof. PASCHE-OSERSKI Kiew, Sowjet-Russland; Dr. GUREWITSCH, Charkow; Dr. Max HODANN, Berlin; Dr. LEUNBACH Kopenhagen; Dr. Marie FRISCHAUF, Wien; Dr. Wilhelm REICH, Wien, u.a. [...] REGIEBEITRAG 20 GROSCHEN, ARBEITSLOSE FREI"](https://hdgoe.at/CMS/items/uploads/Website/images/1780403307_vg1P9VfufXPC.png)